Das Rote Kliff


Geologie
Das Rote Kliff ist ein auffallender Teil einer Endmoräne der Eiskappe aus der Sale-Eiszeit. Diese Morräne dehnt sich in den Niederlanden von Texel bis nach Wieringen, über die Kliffe in Gaasterland, über die ehemaligen Inseln Urk und Schokland und die alte Hafenstadt Vollenhove gen Osten aus.Das Rote Kliff ragt bis 10 Meter über den Normierten Amsterdamer Pegelstand auf und besteht aus rotfarbigem Leim. Das heutige Kliff ist nur ein kleiner Teil der alten Anhöhe. Bis zur Zeit, wo der Abschlußdeich gebaut wurde, war die Südseite unbewachsen und ragte als ein rotes Kliff aus der See empor. Später wurde das Kliff mit Stein und Plaggen bekleidet und wurde die Oberseite egalisiert.

Mythos
Die auffallende Höhe des Kliffes und die rote Farbe erregten die Fantasie der Menschen. Man behauptete, es wäre ein alter Vulkan, der in uralten Zeiten Feuer gespuckt hätte. Alte Sagen erwähnen weiter die Erscheinung eines Feuerdrachens, der an dieser Stelle am 24. Juni des Jahres 4 aus der Erde zum Vorschein gekommen wäre. Auch in den Jahren 155 und 207 hätte das Kliff gebrannt. Mit zahlreichen Opfergaben an den Gott Stavo und dem Einsatz von tapferen Löschern wäre das Feuer gelöscht. Noch immer brechen, so erzählen Volkssagen, Gewitter über dem Kliff entzwei. Möglicherweise enthalten diese Geschichten Erinnerungen an das Bakebrennen* unserer Vorfahren.

Symbolisches Feuer an Festtagen und in großer Not.

Die Friesische Freiheit
Für die Friesen und die an ihnen verwandten Völker ist politische und persönliche Freiheit einer der höchsten Werte im Leben. Im Mittelalter offenbarte sich dieses Sehnen nach Freiheit in einem harten Widerstand gegen das politische Feudalsystem. Als 'politische Ketzer' mußten die Friesen sich große Mühe geben um ihre Identität zu gewährleisten. Die mittelalterlichen Friesen entwickelten dazu eine Freiheitsideologie. Darin heißt es, die Friesen bräuchten keinem Herrn zu dienen als nur der Kaiser. Obwohl dieses 'ideologische Schild' schon im Mittelalter beanstandet wurde, wurde es bis 1498 respektiert. In der Zeit der Republik, aber auch in den modernen Niederlanden, hatte das Friesische Freiheitsideal seine Wirkung.

Die Slacht
Im Laufe des Mittelalters hatten die Friesen mit einer langen Reihe von Angriffen auf ihre Autonomie zu tun. Alle 'Sieben Friesischen Seelande' wurden von weltlichen und geistlichen Herren die ihre Rechte geltend machen wollten, angegriffen. Besonders der Wohlstand dieser von der Landwirtschaft lebenden Lande war für sie sehr attraktiv. Die Schlacht, die am meisten die Fantasie erregt, ist jene des jungen, energischen Grafen Willem IV von Holland und Henegouwen mit seinem Ritterheer, gegen die Friesen zwischen Fly und Ems, am 26. September 1345. Willem IV hatte große Erfahrung aufgetrieben als Kreuzritter in Palästina und Prussen. Die holländischen Städte unterstützten das Abenteuer. Das Ritterheer kam mit Schiffen aus West-Friesland zu den Feldern in der Nähe von Starum. Es gelang dem friesischen Heer den Aufmarsch zum Stehen zu bringen und eine große Anzahl von Adligen, auch der Graf selber, kam ums leben. Die Friesen aus jener Zeit betrachteten Marije, die Mutter Jesu, als ihren himmlischen Schutzengel und Beistand. So wurde der 26. September zum Friesischen Liebfrautag. Der Sieg in der Schlacht bei Starum hatte zur Folge, daß die Friesische Autonomie noch 150 Jahre bestehen sollte. Der Einführung der holländischen Sprache in der Verwaltung wurde Einhalt geboten, was wichtich gewesen ist für das Behalten der friesischen Sprache in diesem Teil Frieslands.

Das Gedenken
Im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts suchten die friesischen 'Beweger' einen symbolischen Ort um ihren Kampf um Gleichberechtigung von Sprache und Kultur zu gedenken. Man mußte wählen zwischen Aurich in Ost-Friesland, Helgoland und dem Roten Kliff. U.a. Pater Titus Brandsma hat vieles getan um ein Gedenken auf dem Roten Kliff zu verwirklichen, aber in den dreißiger Jahren gelang dies nicht. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges gab es eine Initiative das Kliff zu einer Gedenkstätte zu machen. 1945 wurden die Freiheitskämpfe von 1345 und 1945 mit einander verbunden in ein Gedenken, woran sich ein breite Vertretung friesischer Organisationen beteiligte. Seit 1945 ist das Kliff der Ort, an dem die Friesen ihres jahrhundertelangen Kampfes gedenken und ihrem Bemühen den Rechten von Menschen und Völkern einen Raum verschaffen.